Guten Abend, verehrte Damen und Herren ! Zuerst sage ich d a n k e für die Verleihung des Kulturpreises des Main-Kinzig- Kreises – das ist eine große Ehre und Freude für mich ! Besonders danke ich Herrn Landrat Karl Eyerkaufer für die freundliche Laudatio ! Ich begrüße die Jury-Vositzende Heidi Bär und die Kulturbeauftragte des Main-Kinzig-Kreises, Frau Nettner-Reinsel. Von unserer Opernakademie die Vorsitzende unseres Fördervereins : Frau Prof.Dr.Karin Metzler-Müller und ihren Stellvertreter Herrn Hans-Georg Göbbels ……….. Hans-Georg Göbbels und der Bürgermeister von Bad Orb , Wolfgang Storck haben sich in den schwierigen Jahren vor der Gründung unseres Fördervereins besonders um die Oper in Bad Orb verdient gemacht !! Der Leiter einer solchen Institution ist immer nur so gut, wie es seine Mitarbeiter zulassen und so gilt dieser Preis allen Mitarbeitern der Bad Orber Opernakademie – den SÄNGERN, dem Chor, dem Orchester und allen guten Geistern drumherum – besonders aber meinem Leitungsteam : dem Dirigenten Michael Millard, meinem Bühnenbildner Johannes Tittel und unserem technischen Leiter Bernhard Hessberger !! Und so wird auch das Preisgeld im Ganzen unserer Akademie zugute kommen !! ------ Meine Damen und Herrn, erlauben Sie mir ein paar kritische Bemerkungen zu Tendenzen und Perspektiven an unseren deutschen Opernhäusern – inspiriert von dem großen Regisseur Jean-Pierre Ponnelle. Auf der einen Seite steht die sozialpolitische Entwicklungauf der anderen die allgemeine wirtschaftliche Situation .- Das in der ganzen Welt einmalige deutsche Theatersystem – wir haben die größten Dichte an Opernhäusern in der Welt – so in etwa 80 !! In den letzten Jahrzehnten wurde dieses System in seinen Grundlagen erschüttert – die Konkurrenz der Medien – Schallplatte, Film und Fernsehen macht den kleinen und mittleren Häusern schwer zu schaffen . Die Qualitäts-Ansprüche des Publikums sind so hoch geworden, dass man sie mit den Mitteln und Möglichkeiten eines kleinen Theaters kaum befriedigen kann. Für mich ist es ein Wunder, dass immer noch so viele Menschen in die Opernhäuser strömen – natürlich bin ich dankbar dafür – aber wir müssen wachsam sein, denn in Zeiten ,da das Geld knapper wird,spart man zuerst an derK u l t u r, denn leider sind manche Politiker der Meinung, dass GELD mehr wert ist als Kunst – man hält Geld für wichtiger als Kunst – dabei muß Kunst keinesfalls ein Synonym für Luxus sein – im Gegenteil: Kunst hat mit Luxus nichts zu tun ! Man kann auf der Bühne Luxus darstellen ohne luxuriösen Aufwand ! F a n t a s i e ist gefragt !! Käme es zu einem Theatersterben der kleineren Bühnen, ginge der fruchtbare Humus verloren, mit schlimmen Folgen für den künstlerischen Nachwuchs !! Wenn die deutschen sogenannten“Provinztheater“ verschwinden, ist die Oper am Lebensnerv getroffen. Auf längere Zeit wird Oper nicht mehr möglich sein, weil es keine Sänger mehr geben wird- und die M e d i e n werden diesen Verlust nicht ersetzen können !! Auch der aufgeblähte Verwaltungsapparat – besonders an den großen Bühnen hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht bis vervierfacht – Nicht gerade zum Wohle der K u n s t ! Natürlich haben die Theaterverantwortlichen diese Tendenzen mitverschuldet – zu viele Unprofessionelle – die sogenannten „Macher“ haben sich der Oper bemächtigt – E v e n t s regieren die Theater : Regie führen : gefeierte Dilletanten , Provokateure oder selbsternannte Genies, um damit einen Rezensentenerfolg zu erzielen – oft in berechtigter Notwehr, denn auch das Publikum – besonders in großen Städten – giert nach Sensationen Auf der anderen Seite : der treue Opernbesucher… : er wünscht sich wiedererkennbare Opern – auch in modernem Gewande – aber keine Provokation um jeden Preis – auch den Text würde er gern verstehen – aber die Originalsprache wird zur Maxime, selbst an kleineren Theatern. --- Italienisch – Französisch – Englisch :… an großen Häusern : J A !! Aber russisch oder gar tschechisch – problematisch…….. um wenigstens etwas mitzubekommen, s t a r r t alles nach oben – …….l i e s t ….. und versäumt die Szene auf der Bühne – geht mit steifem Nacken heim und bemerkt : Interressant war's !! Leider haben auch viele Spitzensänger kein Interresse, wichtige Partien auf Deutsch zu lernen – also bekommen die Thaeter kaum geeignete Sänger, geschweige denn deutschsprachige - ein Teufelskreis ! Ich habe das Publikum in deutschspachigen Aufführungen beobachtet : Sie v e r s t e h e n das Stück, sie verfolgen die Handlung und sie weinen und lachen an den richtigen Stellen ! Wie steht es nun um das Ensemble : Läßt sich durch staatliche oder städtische Subventionen ein Ensemble, wie man es bisher kannte, noch erhalten ?? Viele Direktoren meinen : n e i n - ich sage : j a – unbedingt – wie es ja auch der Chef unserer Frankfurter Oper – Bernd Loebe- deutlich beweist! ---- Eine Tendenz, die mir in den letzten Jahren aufgefallen ist , ist der Verlust der Individualität, der Persönlichkeit – mit Ausnahmen natürlich – Ein begabter, sensibler, fantasievoller, analysierender Regisseur wir letzten Endes mehr Erfolg haben als ein psychotischer Selbstdarsteller mit der Maxime „Des Kaisers neue Kleider“ …….. Eine starke Sängerpersönlichkeit wird sich immer durchsetzen können neben den Anonymen, die auf der Bühne herumstehen – und das ist- Gott sei Dank – nicht einmal analysierbar ! …Was macht eine Persönlichkeit aus ? Die Mischung aus Intelligenz, Musikalität, Kultur und natürlich einer außerordentlichen Stimme – verbunden mit Individualität !! Theater werden die letzten Reservate der Individualität bleiben . Was wir brauchen sind talentierte, starke Persönlichkeiten, die gutes Theater machen – und das ist sowohl in der Provinz wie auch an großen Theatern möglich. Ich glaube nicht, dass es irgendwann ein Schlaraffenland für die Kunst geben wird – es hat immer diese Paranoia von Kunstmachern gegeben – nur mit dem Unterschied, dass heute durch die Verbreitung der Medien echte Irrtümer feulletonistisch aufgewertet werden und der Anschein erweckt wird, es handle sich um echte Kunst !! Wie sieht es nun mit unseren Nachwuchs aus ?? Sie haben es schwerer als je zuvor – die Konkurrenz ist riesig – aus aller Herren Länder strömen die zum Teil auch besser ausgebildeten Sänger herbei – unsere Hochschulen haben so gut wie keine Kontakte zu den Theatern,was weniger an den Theatern liegt – Die Qualität der Gesangsausbildung und besonders auch der szenischen Ausbildung lässt zu wünschen übrig !! Viel zu wenig Gesangsstunden – mit 2 mal 45 Minuten in der Woche kann es zu keiner Spitzenleistung kommen – und viel zu wenig praxixbezogene szenische Aufgaben !!! Übertragen Sie das einmal auf den Sport: so kommt keiner nach Olympia – es gibt übrigens mehr Parallelen zum Sport, als Sie sich vorstellen : Eiserne Disziplin, Fleiß, Kraft , Gesundheit und E n e r g i e – …. Und E n e r g i e ist eine der Hauptfaktoren für Austrahlung und Erfolg eines Opernsänger ! Sehen Sie.. und all diese Eigenschaften versuchen wir an unserer Opern- Akademie zu entdecken und zu fördern. In den 15 Jahren, seit ich in Bad Orb arbeite, haben mehr als 100 junge Sänger bei uns gesungen ,manche bekamen Engagements an der Opernhäusern – allein an der Frankfurter Oper sind 5 Sängerinnen und Sänger engagiert, die bei uns große Partien gesungen haben ! Meine Arbeit besteht darin, den jungen Sängern die Grundformen der Darstellung beizubringen – gepaart mit natürlichem Singen . ------ Die berühmte Primaballerina Anna Pawlowa hat einmal gesagt : Beherrsche die Technik völlig – vergiß sie ganz und sei natürlich – klingt sehr einfach – ist aber das Geheimnis großer Darstellung auf der Bühne ! Der heutige Kultur-Preis ist ein Ansporn für mich ,diese Ziele mit all meiner Kraft und E n e r g i e weiter zu verfolgen . Ich danke Ihnen !!!! |