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der Opernakademie
Bad Orb e.V.
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Rede anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Bad Orb an Herrn Kammersänger Carlos Krause

 

Karin Metzler-Müller
Frau Prof. Dr. Dr. Karin Metzler-Müller
„Ehren-Bürger“, der Titel der Würde, die Kammersänger Carlos Krause heute verliehen wird, besteht aus zwei Bestandteilen: „Ehre“ und „Bürger“.

Das setzt unterschiedliche Bedeutungen voraus: Eine „Ehre“ soll es sein, mit der Stadt, die den Titel verleiht, verbunden zu werden. Und eine Ehre soll es auch für die Stadt sein, mit der Persönlichkeit, die den Titel trägt, in Verbindung gebracht zu werden.

Schließlich auch noch „Bürger“. Dem Geehrten wird die „Ehrenbürger-Würde“ der Stadt verliehen. Er erhält Ehren-Rechte; auf der anderen Seite erwartet man mit ebensolchem Recht, dass er sich als Bürger auch für das Ansehen der Stadt einsetzt - in ganz unterschiedlichen Abstufungen von sehr abstrakt bis sehr direkt – für diese Stadt

Wenn ich die Beziehungs-Geschichte von Carlos Krause und Bad Orb überfliege, stoße ich sofort auf Dutzende von Begegnungen, Äußerungen, Interviews, aber auch auf sehr handfeste Aktivitäten, nach denen mir all das auf beide bestens zuzutreffen scheint.

Carlos Krause wurde vor wenigen Tagen 70 Jahre alt und zu diesem Anlass auch in seiner – einen – Wahl-Heimat Frankfurt am Main als beinahe schon legendärer Sänger-Darsteller der Oper gefeiert. Und dem „Ehren-Bürger-Anspruch“ seiner – anderen – Wahl-Heimat am Spessartrand wird er in meinen Augen schon längst gerecht. Auch ohne, dass er dafür eine Urkunde an der Wand hängen haben müsste.

Carlos Krause mit Bad Orb in Verbindung zu bringen – das ist zuerst einmal eine Ehre für die Stadt. Carlos Krause ist nicht nur ein hoch angesehener Opern-Bassbariton mit internationalem Ruf. Er hat auch mit „seiner“, das muss man schon so bezeichnen – Orber Opernakademie die Stadt Bad Orb zu einem Fixpunkt in der Ausbildungsszene für den professionellen Opernbereich gemacht. Mit einer Akademie, die längst für viele junge hochbegabte Sängerinnen und Sänger zum Sprungbrett zur Bühnenkarriere geworden ist.

Bad Orb ist ein fester Begriff beim sängerischen Nachwuchs wie bei den „Talentscouts“ der Theaterlandschaft. Aber die Opernakademie ist auch mindestens ebenso lange schon ein Anziehungspunkt für viele kulturinteressierte Gäste, die mittlerweile aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen, um hier Produktionen zu erleben, die eben das ganz besondere „Etwas“ haben, das Carlos Krauses Arbeiten auszeichnet.

Eine Ehre soll die Ehrenbürgerschaft auch für den darstellen, der die Ehrenbürgerwürde erhält – selbstverständlich!

Auch hier ist die „Ehre“, die „Ehrerbietung“, eigentlich längst geschehen. Lassen wir die über einhundertjährige Tradition hochwertiger klassischer Musikausübung in unserer Stadt einmal nur den Rahmen darstellen, der Bad Orb bereits auf dieser Ebene ein Stück weit als „Kulturstadt“ qualifiziert.

„Ehre“ für den „Geehrten“ heißt nämlich zweierlei: Die „Ehre“ nach außen, mit dem Namen einer angesehenen Stadt verbunden zu werden.

Und, auf der anderen Seite: Die „Ehre“, die Wertschätzung, die einem von den Bürgern dieser Stadt entgegengebracht wird. In den vergangenen Jahren ist Carlos Krause tatsächlich ein Stück weit schon vorab „Ehren-Bürger“ geworden. Wer auch nur ein Stück weit an Kultur, an Musiktheater Interesse findet, kennt den unermüdlichen Kammersänger und weiß irgendwie auch zu würdigen, dass es nicht Alltag und Selbstverständlichkeit ist, dass „so einer“ sich in Bad Orb schon seit eineinhalb Jahrzehnten mit einem solchen Enthusiasmus für ein weithin einzigartiges Kulturereignis Jahr für Jahr stark macht. Carlos Krause über das Jahr hinweg (denn er hat sich ja längst auch ganzjährig ein kleines Refugium im Haseltal gemietet) ist ein geschätzter, wert-geschätzter Mensch in Bad Orb.

Und nach der jährlichen Premiere der Opernakademie, da ist Carlos Krause Stadtgespräch. Da scheint er mir wichtiger als der Bürgermeister, die Sportschau oder die Reiseroute zum Urlaubsziel – das Reisedatum wird bei Bad Orber Kulturfeinschmeckern sowieso längst an den Aufführungsdaten der Opernakademie bestimmt.

Womit wir längst bei der Frage wären: Ist der „Zweitwohnsitz-Orber“ Carlos Krause nicht längst ein Bürger? Den Pflichten eines guten Bürgers der Stadt Bad Orb stellt er sich lange schon mit allem Engagement.

  • Rede gut über Deine Stadt – nur das Beste aus Carlos Krauses Mund.

  • Rede überhaupt über Deine Stadt – wo Carlos Krause vor der Öffentlichkeit auf sein bisheriges Lebenswerk verweisen darf, da ist Bad Orb mittendrin.

  • Tue etwas für Deine Stadt! Das tut Carlos Krause, seit eineinhalb Jahrzehnten, unter Einsatz seiner freien Zeit, guten Verbindungen auch zu Funk und Fernsehen -, Ideen, Sammlerstücke, nicht zuletzt durchaus auch Finanzen und vor allem: Elan, Begeisterung und viel Herz.


Damit sind wir bei Carlos Krause, dem Menschen. Was Carlos Krause über seine internationale Opernkarriere hinaus hier in Bad Orb tut, zeichnet ihn in meinen Augen als Mensch noch mehr aus als seine drei Jahrzehnte dauernde Zeit als hoch geschätzter Bassbariton an der Frankfurter Oper, als die vielen Gastspielverpflichtungen nach Amsterdam, Barcelona, Belgrad, Brüssel, Edinburgh, Monte Carlo, Peking, Sarajewo, Tel Aviv, Wien oder Zagreb. Und trotzdem hängt auch all das zusammen. Denn woher kommt denn auch dieser Erfolg auf den großen und ganz großen Bühnen?

Warum große Regisseure und Dirigenten wie Walter Felsenstein oder Peter Mussbach, Hans Neuenfels und Ruth Berghaus, Hans Knappertsbusch und Lorin Maazel, Nicholas Harnoncourt oder Michael Gielen so gerne mit Carlos Krause gearbeitet haben und arbeiten, hat neben seinen unbestreitbar außerordentlichen sängerischen Qualitäten viel mit seinem Fingerspitzengefühl zu tun. Wenn Sie Carlos Krause einmal in Frankfurt an der Oper erlebt haben konnten Sie feststellen, dass er seine Rollen so bildhaft und menschlich gestaltet, so durch und durch bis in die letzte Facette lebendig ausfeilt, dass sie oftmals zu den großen Momenten der Inszenierungen zählen dürfen.

Carlos Krause hat das Gespür, zwischen Ton und Text, zwischen Klang und (dargestelltem) Menschen Beziehungen zu entwickeln, die so dicht, tragend und glaubwürdig sind, dass hier intensivste Bühnenkunst Wirklichkeit wird.

Das ist das besondere Kapital, das Carlos Krause jeden Sommer zusammen mit seinen Reisekoffern nach Bad Orb bringt: Weit weg von der großen Pose. Sensibel und herzlich. Der menschliche Ausdruck ist ihm unendlich viel wichtiger als die fürs Feuilleton prestigeträchtigere Regie-Idee. Und vor allem kommt mit ihm einer, der das große Repertoire an sängerischem und darstellerischem Handwerk zutiefst verinnerlicht beherrscht - und vor allem auch vermitteln kann.

Das ist exakt das, was eine junge Sängerin, was ein junger Sänger heute bitter nötig brauchen kann. Wer es heute geschafft hat, einen der begehrten Verträge am Theater zu ergattern, wird oft schnell in zu strapaziösen Rollen verheizt. Die gute alte oft beschworene „Lehrlingszeit“ am Theater wird wohl da und dort noch zu pflegen versucht, oft fehlen aber selbst dort diejenigen Künstler, die die zutiefst lebendige Verbindung zwischen Musik und Spiel, Komposition und Leben, Bühne und Welt-Bühne selbst ausüben und auch noch vermitteln können.

Das ist ein wesentlicher Grund, warum schon seit vielen Jahren hoch qualifizierte junge Sängerinnen und Sänger für die Bad Orber Akademie vorsingen, um dann fünf Wochen an der jeweiligen Produktion zu proben und schließlich zwei Aufführungen zu singen.

Was es dafür gibt? Arbeit an klassischem Musik-Theater, wie sie in Deutschland selten zu finden ist. Carlos Krause inszeniert Oper streng nach den Grundgesetzen, wie sie im 18. und 19. Jahrhundert gewachsen sind. Der Text und die Partitur geben die Grundidee der Inszenierung vor. Gespielt werden hier nur Werke, bei denen die Stimmigkeit vorliegt:

  • Handlung schlägt sich in Musik nieder

  • Musik spiegelt glaubwürdige Emotion

  • Die Inszenierung schließlich füllt beides mit Leben.


Carlos Krause hat ein phänomenales „Händchen“, wenn es darum geht, sein Ensemble zusammenzustellen. Ein Sänger hat mir einmal von jahrelangem erfolglosem Vorsingen für die jeweilige scheinbar passende Partie erzählt. Carlos Krause hat ihn jedes Mal abgelehnt, allerdings mit dem Versprechen: „Wenn die richtige Partie für Dich dabei bist, dann bist Du auch dabei. Nach Jahren war es so weit. Carlos Krause nahm den jungen Mann – begeistert übrigens! – für eine Partie, für die er genau die richtige Übereinstimmung zwischen Mensch und Rolle fühlte. Für den Sänger war die Arbeit eine Offenbarung, vom Publikum wurde er gefeiert.


Wie macht Carlos Krause das? Regie ist für ihn, die inneren Beziehungen eines Werkes aufzudecken und mit dem Handeln von wirklichen Menschen abzustimmen. In diesem Rahmen allerdings gestaltet er außergewöhnlich viel aus der ganz speziellen Persönlichkeit der jungen Menschen heraus. Einfühlsam, kreativ und flexibel – aber auch unnachgiebig ernst, wenn es um Qualität, Stimmigkeit und immer wieder handwerkliche Fähigkeiten geht, also solche Dinge wie natürliche Bewegungsabläufe, überzeugende Dialogsituationen, spontan wirkende Reaktionen. Damit ist er mittlerweile längst mindestens bei seiner „zweiten Schülergeneration“ angekommen, die auf den Bühnen der Welt von der gemeinsamen Arbeit mit Carlos Krause in Bad Orb profitieren.


Seit 1998 darf ich, erst in der Organisation und Einstudierung des Kinderchores – zus. mit Reinhilde Bartmer, dann durch die Initiative zur Gründung und in der ständigen Weiterentwicklung des Fördervereins, diese wertvolle und wichtige Arbeit unterstützen. Carlos Krause selbst erhält, genauso wie unser Dirigent Michael Millard, unser Bühnenbildner Johannes Tittel und das gesamte Team auf der Bühne, nur eine geringe Aufwandsentschädigung für seine aufopfernde Tätigkeit. Dennoch sind die Kosten für alles Weitere immens. Dass es unserem Verein gelungen ist, die Opernakademie finanziell abzusichern, ist wichtig und die Leistung unserer mittlerweile über 200 Mitglieder, quer durch die Gesellschaft, von Fürstinnen und Intendanten bis zum, ich sage das einmal so „einfachen Opernfreund“ wie mir.


Eine solche Initiative wie die Opernakademie Bad Orb kann jedoch nur dann so viele begeisterungsfähige Menschen binden, wenn sie eine Persönlichkeit hat. Eine Persönlichkeit als Akademie, und auch Menschen, die diese Persönlichkeit prägen.


Die Opernakademie Bad Orb spiegelt Persönlichkeit, Engagement und Hingabe von Kammersänger Carlos Krause.


Ich bin glücklich darüber, dass ihm heute die Ehrenbürgerwürde meiner Heimatstadt verliehen wird.


Ehre“, „Bürger“, „Ehren-Bürger“: Carlos Krause und Bad Orb sind es sich gegenseitig wert. Den ehrenvollen Neubürger und die ehrenhafte Stadt möchte ich zu dieser Ehrung gleichermaßen von Herzen beglückwünschen.



Dr. Karin Metzler-Müller

 

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