Mittelpunkt der Handlung ist der brave, doch haltlose Sergeant José. Seine leidenschaftliche Verliebtheit in die sinnenhaft in den Tag lebende Carmen macht ihn zum Meuterer, Deserteur, Schmuggler und letztlich Mörder der Geliebten. Doch Carmen stößt ihn zurück, nachdem er alles für sie aufgegeben hat. Sie liebt einen anderen - und so tötet er sie in rasender Eifersucht.
Werkgeschichte Der Stoff geht auf den bedeutenden Pariser Novellisten Prospér Mérimée zurück, dessen "Carmen"-Erzählung für die Oper frei bearbeitet wurde. Die Librettisten waren Henri Meilhac (1832-1897) und Ludovic Halévy (1834-1908). Die Uraufführung fand 1875 an der Opéra comique in Paris statt, drei Monate vor Bizets Tod. Der Philosoph Friedrich Nietzsche schrieb um 1881 geistvolle Bemerkungen, worin er besonders auf die südländische Sensibili-tät Bizets hinweist. Eine textliche Neugestaltung mit dem gesprochenen Dialog der Urfas-sung stammt von Walter Felsenstein in deutscher Sprache. Diese Fassung wird hier in Bad Orb gespielt. Handlung und Musik Das Vorspiel reißt uns unwiderstehlich in die festlich-erregte Stimmung des Stierkampfes, wie sie sich später im 4. Akt widerspiegelt. Wir hören die kraftvolle Melodie Escamillos, des siegreichen Toreros. In schärfstem Kontrast, in spannungsvoller Steigerung folgt das leitmo-tivische Thema, das Schicksalsmotiv von Carmen und Don José. Ort: Sevilla und das umgebende Bergland - Zeit: Um 1820 1. Akt - Marktplatz in Sevilla Leutnant Zuniga und Wachtmeister Morales stehen gelangweilt vor der Kaserne, gegenüber der Zigarettenfabrik. Das Bauernmädchen Micaela sucht den Serganten Don José bei ihnen, doch der gehört erst zur nächsten Wache. Sie wird also später wiederkommen. Bald nach der Wachablösung, die von einer Horde Straßenkinder begleitet wird, kommen die Arbeite-rinnen während einer Arbeitspause aus der Zigarettenfabrik. Unter ihnen ist die Zigeunerin Carmen, schön und voll unbändiger Lebenslust. Im Augenblick ist sie von Männern umwor-ben, nur Don José sitzt ungerührt abseits. Dadurch gereizt, wirft Carmen ihm eine Rose zu. Bei Micaelas Erscheinen verbirgt er die Rose in seiner Brusttasche. Micaela bringt José ei-nen Brief, etwas Geld und einen Kuss von seiner Mutter. Plötzlich ertönt lautes Geschrei aus der Zigarettenfabrik. Carmen hat im Streit ein Mädchen mit dem Messer verwundet. Zuniga nimmt sie fest und befiehlt José, sie abzuführen. Aber durch ihren Gesang (Seguidilla) und ihre Verführungskünste bringt sie José dazu, seine Pflicht zu vergessen und sie fliehen zu lassen. 2. Akt - Schenke von Lillas Pastia In der Schenke von Lillas Pastia, dem Absteigequartier der Schmuggler und Zigeuner amü-sieren sich Sevillas Lebemänner mit den Zigeunermädchen bei Wein und Tanz. Auch der berühmte Stierkämpfer Escamillo kehrt dort ein und singt sein berühmtes Torerolied. Nach-dem sich die Gäste entfernt haben, fordert der Chef der Zigeuner Dancairo die Mädchen auf, ihnen bei der bevorstehenden Schmugglerfahrt die Zöllner fernzuhalten. Doch Carmen will diesmal nicht mitmachen, denn sie erwartet Don José, der heute aus dem Arrest, den er we-gen ihrer Flucht verbüßen musste, entlassen wurde. Als José eintritt, singt und tanzt Carmen für ihn. Erst das Trompetensignal, das ihn in die Kaserne zurückruft, versetzt ihn wieder in die Wirklichkeit und er will sich verabschieden ... Carmen verhöhnt ihn ... er zögert zu gehen und zieht die verwelkte Rose hervor, die sie ihm einst zugeworfen hat. In der Blumenarie versichert er sie aufs neue seiner Liebe. Nun kommt Zuniga, der José den Befehl gibt, au-genblicklich zu verschwinden. In besinnungsloser Eifersucht greift José zur Waffe gegen den Vorgesetzten. Die von Carmen herbeigerufenen Zigeuner nehmen Zuniga in Gewahrsam. In einem Wutanfall ersticht José Zuniga. Nun kann José nicht mehr zurück und schließt sich der Schmugglerbande an. 3. Akt - Wilde Gebirgsgegend, Versteck der Schmuggler Die Schmugglerbande rastet auf ihrem nächtlichen Marsch in einer wilden Gebirgsschlucht. Carmen fühlt sich von Josés Eifersucht belästigt. Mit ihren Freundinnen Frasquita und Mer-cedes legt sie die Karten, die ihr und José den Tod prophezeien. Als die Schmuggler abzie-hen, muss José als Wache zurückbleiben. Micaela erscheint auf der Suche nach José, sie verbirgt sich als José auf Escamillo schießt, den er für einen Zollwächter hält. Doch Escamil-lo erklärt ihm, dass er nur Carmens wegen gekommen ist, worauf ein Kampf auf Leben und Tod zwichen den beiden beginnt, den Carmen durch ihr Erscheinen beendet. Micaela tritt aus ihrem Versteck hervor und bringt José die Nachricht, dass seine Mutter im Sterben liege und ihn noch einmal zu sehen wünsche. Mit einer Drohung gegen Carmen entfernt er sich mit Micaela. 4. Akt - Eingang der Stierkampf-Arena in Sevilla Die Menge bejubelt den Einzug der Stierkämpfer. Carmen verspricht Escamillo, dass sie ihm gehören werde, wenn er siege. Fraquita und Mercedes warnen Carmen vor José, der ihr auflauere, aber sie schlägt alle Warnungen in den Wind. Doch dann tritt José zu ihr, völlig erschöpft und zerlumpt. Er ruft ihr die Vergangenheit ins Gedächtnis und fleht um ihre Liebe. Doch Carmen bekennt sich zu Escamillo und wirft José den Ring vor die Füße. Zur Verzweiflung getrieben, ersticht er die Geliebte. |