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Lortzing, Albert
Komponist

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Lortzing wurde als Sohn des ehemaligen Lederhändlers Johann Gottlieb Lortzing und seiner Ehefrau Charlotte Sophie geboren. Die Eltern gründeten die Berliner Theatergesellschaft URANIA und machten ihr Hobby zum Beruf, gaben das Geschäft auf und zogen als Schauspieler ("Gaukler") durch fast alle deutschen Provinzen.

1811 zog die Familie nach Breslau an das dortige Theater, im Sommer 1813 hatten sie ein Engagement in Bamberg, anschließend in Coburg, dann in Straßburg, in Baden-Baden und in Freiburg. Erster Bühnen-Auftritt des Sohnes war im Kornhaus am Freiburger Münster, wo der 12jährige in den Pausen "unter lebhaftem Beifall" das Publikum mit komischen Gedichten entzückte. Ab 1817 gehörte Familie Lortzing zum Ensemble von Josef Derossi im Rheinland, und zwar an den Bühnen von Bonn, Aachen, Düsseldorf, Barmen und Köln. Der junge Lortzing wurde zum Publikumsliebling in den Rollenfächern Naturbursche, jugendlicher Liebhaber und Bonvivant, er wude aber auch als Sänger (Tenor) engagiert.

Am 30. Januar 1824 heiratete Lortzing die Schauspielerin Rosina Regine Ahles. Mit ihr hatte er elf Kinder. Ab Herbst 1826 gehörte das junge Ehepaar Lortzing zum Hoftheater in Detmold , das auch Münster und Osnabrück bespielte, wo sich Lortzing den Freimaurern angeschlossen hat, was im Polzeistaat unter Kanzler Metternich eine beliebte Zuflucht für Künstler war. In Detmold komponierte Lortzing u.a. ein Oratorium "Die Himmelfahrt Christi", das in Münster uraufgeführt wurde, freilich mit einer Rüge des Münsterschen Regierungspräsidenten, da der Schauspieler Lortzing "als Compositeur durchaus keinen Ruf habe". In Detmold eskalierte zwischenzeitlich ein Streit mit dem exzentrischen Dichter Christian Dietrich Grabbe, der jedoch bald beigelegt wurde. Für Grabbes einziges Drama, das zu dessen Lebzeiten auf eine Bühne kam, komponierte Lortzing Bühnenmusik; er selbst trat in der Rolle des Don Juan auf, seine Frau als Donna Anna, wofür Lortzing in einer Frankfurter Zeitung von einem Anonymus eine überschwänglich lobende Kritik erhielt, gepriesen wurde freilich auch das Drama "dieses genialen Dichters" - Rezensent war der geniale Dichter selbst.

Am 3. November 1833 gaben die jungen Lortzings ihr Debut am Leipziger Stadttheater, wo seit 1832 auch Lortzings Eltern Mitglieder des Ensembles von Friedrich Sebald Ringelhardt waren. Hier wurde Lortzing Mitglied des Künstlerclubs Gesellschaft über der Pleisse, und 1834 schloß er sich der Leipziger Freimaurerloge Balduin zur Linde an. Auch im Leipziger Ensemble war Lortzing überaus beliebt, glänzte vor allem in Nestroy-Komödien. Seine Neigung zum Improviseren, zum Abweichen vom genehmigten Rollentext machte ihn allerdings zum Problemfall für die Theaterpolizei. Auch seine ersten komischen Opern hatten es unter der Leipziger Zensur nicht einfach. "Zar und Zimmermann", worin es ja um eine bornierte Obrigkeit geht, kam erst nach der Erstaufführung in Berlin (1839) zum umjubelten Erfolg.

1844 wurde Lortzing Kapellmeister am Stadttheater Leipzig. Im April 1845 waren Lortzings rheumatische Beschwerden der vorgeschobene Grund einer Kündigung. An seiner Entlassung konnten auch die wiederholten Proteste des Publikums nichts ändern. In einem offenen Brief, den fast alle im Ensemble unterschrieben, hatte er gegen Maßnahmen des Stadtrats Einspruch erhoben. Zwischen 1845 und 1847 wirkte Lortzing als Kapellmeister am Theater an der Wien. 1848 schrieb er für die Freiheitsbewegung Text und Musik zu seiner politischen Oper "Regina", benannt nach seiner Frau, ein Werk, in dem es nach heutigen Begriffen um Terror geht und auch um Selbstmordterror. Letzte abendfüllende Oper war 1849 seine Märchensatire auf den Militärstaat Preußen "Rolands Knappen", worin z.B. im Kehrreim gefragt wird: "Und das soll eine Weltordnung sein?" 1848 verlor er sein Engagement, mußte dann, um mit der großen Familie zu überleben, noch einmal als Schauspieler zurück auf verschiedene Bühnen (Gera, Lüneburg), zuletzt 1850 war er in Berlin Kapellmeister an einem politischen Possentheater (heute "Deutsches Theater").

Am Morgen des 21. Januars 1851 starb Albert Lortzing unter übergroßen Anforderungen und hochverschuldet. Zur Beerdigung auf dem II. Sophien-Friedhof in Berlin-Mitte vier Tage später fanden sich u.a. Giacomo Meyerbeer, Heinrich Dorn, Wilhelm Taubert und Carl Friedrich Rungenhagen ein. Lortzings Theaterkollegen hatten seinen Sarg mit den Farben Schwarz, Rot und Gold ausgekleidet, eine Konstellation, die nach 1848 verboten war.


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