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Im Theatersaal: Angetrunkener Tenor auf dem Bürgermeisterschoß
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2007-01-13 / Bad Orber Blättche
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| Kategorie: Produktion 2006 |
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Inhalt:
Bad Orb. „Heiteres aus Oper und Operette" war das Leitmotiv des Jubiläumskonzerts der Freunde der Opernakademie, das den Ausklang des Festjahres zum 20jährigen Bestehen der Opernakademie Bad Orb in der Konzerthalle bildete. Solisten der vergangenen Opernproduktionen gaben eine prächtige Gala von unvergessenen und unvergesslichen Melodien. Helena Günther, die Mar-zelline der Fidelio-Auführung 2006, eröffnete den bunten Reigen mit „Oh war1 ich doch mit dir vereint". Die Geschmeidigkeit dieser goldenen Stimme, die mit präziser Leichtfüßigkeit mühelos jede Höhe nimmt, prädestiniert sie für alle Jungmädchenrollen. Die Liebe - sehnsüchtig, leidenschaftlich, hingebungsvoll oder verzagt und entsagend war Hauptthema des Liederstraußes. „Habanera" und „Seguidilla" aus Bizets „Carmen" folgten mit Nina Constantin als Solistin. Ein satter und voluminöser Mezzosopran mit viel Tremolo gibt der Zigeunerin ebenso wie Puccinis Tosca eine authentische Stimme, die sich in den schwelgenden Duetten sowohl mit dem leuchtenden Tenor wie auch der glockenhellen Sopranistin prächtig mischt. In Wagners „Abendstern" aus „Tannhäuser" konnte Peter Bauer den warmen samtenen Wohlklang seiner Bassstimme vorführen. Und was wäre die Oper ohne einen Opernchor? Ein Stück ärmer. Chorleiter Helmuth Smola hatte mit dem Opernchor einige Evergreens einstudiert - und der Chor sang mit Freude und Hingabe seine Juwelen. Verdis Gefangenenchor aus „Nabucco" brachte den Gassenhauer des italienischen National- und Freiheitsgefühls schlechthin auf die Bühne -und wer genau hinsah, konnte im Wiegen des Publikums manchen mitsummen sehen. Aber wer kennt schon die Handlung von Nabucco? Die sehr fachkundige und ausführliche Moderation von Dr. Ralph Philipp Ziegler spannte den Bogen vom unterdrückten Volk Israel im 137. Psalm „An den Wassern zu Babylon" über die Handlung der Oper hin zu der hintergründigen Analogie des unterdrückten italienischen Volks im 19. Jahrhundert. Der zweite Teil des Konzerts, der die Heiterkeit in den Vordergrund rückt, begann eigentlich schon mit dem letzten Stück des ersten Teils, der „Singschule" aus Lortzings „Zar und Zimmermann". Jetzt treten neben die Singkünste auch die darstellerischen Fähigkeiten, denn der Spaß in der Musik braucht neben dem Sänger den Mimen. Ein Glücksfall, mit dem Bass Peter Bauer den Originaldarsteller der Aufführung von 2003 dabei zu haben, der dem Chor beibringt, wie man eine Ode an den Zar singen muss. Wer das Phänomen Bad Orb sucht: hier kann er es erleben. Die Unmittelbarkeit der unverkrampften Nähe zwischen Chor- und Solosängern schafft den Sprung über den Bühnenrand - und der sich selbst karikierende Solist kann alle Register seines Könnens ziehen und hat alle Sympathien auf seiner Seite. Koketterie, träumerisches sehnsuchtsvolles Schwelgen und entsagendes Sehnen, die hohe Schule des Kavaliers: Die „Rosen in Tirol", die „Schweigenden Lippen" - all das kommt im zweiten Teil mit Sang und Tanz mit viel Spielwitz und -freude auf die Bühne. Und die Bühne wird von Tenor Rouwen Huther im Schwipslied um den Saal selbst erweitert. Mit einem gefüllten Sektglas bewaffnet stolpert er lautstark durch die Seitentür in den Zuschauerraum, ergießt den Inhalt messerscharf an der Pianistin vorbei auf die Bühne und beklagt torkelnd lauthals in einer unnachahmlichen Mischung aus Singen und Sprechen die wachsende Geschwindigkeit, mit der sich die Welt um ihn nur noch dreht. Plötzlich verliert er das Gleichgewicht und Bürgermeister Wolfgang Storck in der ersten Reihe ist von drei Zentner Tenor im wahrsten Sinne des Wortes bestürzt. Unter prustendem Johlen des Publikums setzt Rouwen Huther seine Irrfahrt auf die Bühne fort und sucht dort nach dem verlorenen Halt. Dieses prachtvolle Kabinettstückchen kurz vor dem Finale zeigt den ganzen Mutterwitz eines begnadeten Sängers und Schauspielers, der sein hohes Singvermögen -er ist ein Tenor mit Glanz und Strahlkraft - bereits zuvor in den Arien unter Beweis stellen konnte. Und das Orchester? Die Geigen, die Posaunen? Anke Eva Blumenthal hat sie alle in den Fingern und lässt sie auf dem Flügel erklingen. Blitzschnell stellt sie sich auf die wechselnden Stimmungen der Stücke ein und begleitet Sänger und Chor mit professioneller Hingabe und gebotener Zurückhaltung, stellt sich auf Tempi und Lautstärken richtig ein, bügelt kleine Unstimmigkeiten glatt - und hat bei alledem erkennbar auch noch Spaß an der Sache.
Das gesamte Ensemble verabschiedet sich von einem begeisterten Publikum, das trotz widrigster Straßenverhältnisse keine Mühen gescheut hat, diesen Glanzpunkt zum Jahresausklang mit viel Applaus und einem gut gefüllten Saal zu würdigen.
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