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Intensive Probezeit in den Sommerferien / Regisseur Carlos Krause lobt Solisten und Arbeitsumfeld
Sechs Stunden Probe täglich über fünf Wochen: Die Opernakademie Bad Orb studiert mit Ludwig van Beethovens „Fidelio" ihre zwanzigste Produktion ein.
Bad Orb „Nicht so larmoyant", insistiert der Intendant. Florestan, der im Staatsgefängnis nahe Sevilla schmachtet, sei nicht wehleidig. „Er erträgt sein Schicksal mit großem Charakter", belehrt Carlos Krause in väterlichem Ton den jungen, blonden Solisten auf der Orber Theaterbühne. Noch einige Male stimmt der Tenorsänger die Passage „... und die Ketten sind mein Lohn"an, dann ist Krause (70) zufrieden.
Zweifel an den Fähigkeiten Martin Con-stantins hatte der grauhaarige Opernregisseur ohnehin nie. Die sechs Sängerinnen und Sänger, die Krause für „Fidelio" um sich geschart hat, seien „Glücksfälle" und hätten durchweg „Qualitätsstimmen", sagt Krause, der 45 Jahre lang als Kammersänger bei den städtischen Bühnen Frankfurt war. Sein Engagement in Bad Orb beschränkt sich nicht alleine auf die Sommerferien. Die Inszenierung vom Casting bis zur Premiere erstreckt sich über sechs Monate. Rund 50 Solisten von allen deutschsprachigen Musikhochschulen bewerben sich jährlich für eine Hauptrolle in der Kurstadt. Zwei bis drei Tagen dauert es, wenn Krause zu Beginn eines Jahres die Auswahl trifft.
"Workshop-Charakter"
In Bad Orb agiert ein eingespieltes Team. Michael Miliard, Kapellmeister am Staatstheater Mainz, hat seit Jahren die musikalische Leitung. Der Bad Orb Maler Johannes Tittel ist ein erfahrenen Bühnenbildner. Krause verkörpert Erfahrung, Improvisation und Spielfreude. So sind im Laufe der Jahre die Ansprüche gestiegen. „Die Oper hat enorm schwere Partien", sagt Krause, der talentierten Solisten in Orb die Gelegenheit bietet, ihre schauspielerischen Fähigkeiten in einer großen Rolle zu entwickeln. Die Probebedingungen sind ideal. „Wir üben auf der Originalbühne. Keine lenkt uns ab oder reglementiert uns", schwärmt der Regisseur von einer familiären Atmosphäre und „Workshop-Charakter". Die in ihrer Form in Deutschland einzigartige Opernakademie hat ihren engagierten Akteuren bereits zu einigen Engagements an größeren Opernhäuser ver-holfen. In Orb spielen sie praktisch ohne Gage, erhalten nur eine geringe Aufwandsentschädigung, etwa für Fahrtkosten. Die Solisten übernachten in Privatquartieren, wie Leonore-Hauptdarstellerin Annette Fischer, die bei der Vereinsvorsitzenden Karin Metzler-Müller untergekommen ist.
„Eine solche Inszenierung kostet normalerweise drei Millionen Euro", schätzt Krause. Vom bescheidene Etat in Bad Orb würde alleine die Hälfte für das Orchester benötigt, „und auch die spielen für einen Putzfrauenlohn", fügt der Intendant an. Dazu kommen einige Chorsänger aus der Region.
Dass die Orber Produktion zwischenzeitlich sogar ohne kommunale Förderung auskomme - einst gab es 25000 Euro vom Kurbetrieb - habe die Einsatzbereitschaft und den Zusammenhalt sogar noch gestärkt, so Karin Metzler-Müller. Jörg Andersson
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